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Eberhard Buschmann: Contra Gold

"Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zusammenbräche, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen." mit einem Zitat von Martin Luther fasst Eberhard Buschmann seine Meinung zu Gold zusammen. Er hält das Edelmetall als Anlagemöglichkeit für eine Nebensache und warnt davor, dass die Goldblase platzen könnte. Der Apfelbaum sollte demgemäß nicht Gold sein, sondern eine Investition in reale Werte. Derjenige, der schon Gold gehortet habe, solle besser jetzt tauschen und bei seinen Anlagen wie jeher auf eine gute Diversifizierung achten. Man könne aktuell gut in Aktien investieren, z.B. in eine Mischung aus Hochtechnologiewerten und Grundversorgern.

Eberhard Buschmann

Interview

Ist Gold in dieser Situation die einzig wahre Kapitalanlage? Stichwort Diversifizierung: Gilt das noch?

Die einzig wahre Kapitalanlage gibt es nicht. Derzeit glauben manche, dass Gold die geeignete Anlage sei, da Gold im Preis steigt. Doch sollte man auch heute auf eine gute Diversifizierung achten und nicht allein auf Gold setzen.

Welche Risiken hat man, wenn man in Edelmetalle wie Gold und Silber investiert?

Alle Edelmetalle sind sehr spekulativ. Dass sie sich in letzter Zeit um das 5- bis 6-fache vermehrt haben, wird allein durch die Angst der Anleger getragen. Sobald sich die Krise entspannt, wird der Kurs wieder sinken. Nicht zu unterschätzen ist auch das Risiko der Goldderivate.

Und umgekehrt, welche Chancen?

Die Chance besteht allein in der weiter zunehmenden Angst der Anleger, die den Goldpreis weiter nach oben treiben wird.

Die US-Geldmenge hat sich seit 2008 verdreifacht. Der Goldkurs hat sich in $ seitdem nur verdoppelt. War die Entwicklung bisher nicht immer parallel? Haben wir - trotz des Anstiegs - noch eine Unterbewertung des Goldes?

Meiner Meinung nach gibt es keine Golddeckung und die US-Geldmenge hat sich in der Tat sehr vergrößert. Ob so oder so, ich denke, dass Gold nicht mehr global zur Deckung von Währungen herangenommen werden kann.

Im Januar 1980 (letzter Goldhöchststand) lag der Goldpreis bei 850 $, inflationsbereinigt müsste er heute bei 2.330 $ stehen (US Arbeitsministerium). Warum liegt er darunter? Sind die Inflationsentwicklung und die Erwartung für die Goldpreisentwicklung überhaupt relevant, vor allem vor dem Hintergrund, dass in den letzten 10 Jahren die Inflationsraten deutlich niedriger lagen als in den Dekaden davor?

Vermutlich werden die Inflationsraten auch in den nächsten Jahren niedrig bleiben. Gold kann nur bedingt ein Inflationsschutz sein. Inflationsentwicklung und erwartete Goldpreisentwicklung werden sich nicht decken.

Was passiert durch die globalen Wirtschaftsverknüpfungen in den Volkswirtschaften des nicht Euroraums (China, USA, Emerging Markets, Nichteuroländer in Europa), wenn Gold plötzlich als Währungsersatz (Substitut) für den Euro fungieren muss? Welche Auswirkungen hat der Goldpreis für diese Länder? Finden sie ein neues Gleichgewicht untereinander, z.B. über Devisenkurs bzw. Zins, oder ergeben sich auch für die Länder Effekte, die heute noch nicht näher diskutiert werden?

Der Goldpreis, um ehrlich zu sein, ist für diese Länder völlig irrelevant. China oder die anderen Schwellenländer wie Brasilien werden sich unabhängig davon weiterentwickeln.

Den Goldstandard kann man nicht mehr darstellen, weil die Wirtschaft dann nicht mehr wachsen würde. Papiergeld traut man auch nicht mehr. Was kommt danach?

Zum Tauschhandel wird es nicht kommen. Und der Euro wird auch nicht zusammenbrechen. Derzeit werden umfassende Ängste seitens der Medien geschürt. Diese Ängste sind absolut ungut für die Entwicklung an den Märkten. Denn ohne Vertrauen in die Märkte fehlt diesen die Grundlage, sich weiter gesund und positiv zu entwickeln. Die Flucht in Gold verschärft die Situation zusätzlich. Der einzige Ausweg ist, wieder Vertrauen zu schaffen. Dafür muss die Politik sorgen. Letztlich haben die Märkte schon schlimmere Krisen gemeistert als diese Schuldenkrise.

Gold wird auch in der Industrie gebraucht. Das Vorkommen ist begrenzt. Dazu kommt die Nachfrage seitens der Anleger. Wird der Goldpreis auch schon aufgrund der Industrienachfrage in den nächsten Jahren weiter steigen, unabhängig von der Entwicklung der Geldmenge/Inflation?

Für die Industrie ist Gold ein eher unwichtiges Metall. Der Anteil beträgt rund 10 % während im Vergleich dazu rund 40 % für Schmuck verwendet werden und rund 50 % als Anlage. So wirkt sich dies nicht auf den Goldpreis aus. Gold ist und bleibt ein Krisenmetall.

Es gibt auch die Behauptung, Gold ist gar nicht gestiegen: Früher konnten sich die Römer mit 1 Unze Gold eine schicke Tunika kaufen und heute kriegt man für 1 Unze einen schicken Anzug, was zeigen würde, dass Gold nicht an Wert gewonnen hätte. Wie stehen Sie dazu?

Da wir nicht so genau wissen, wie viel Wert eine Tunika bei den Römern tatsächlich hatte, fällt ein Vergleich schwer.

Kann Gold in schweren Krisenzeiten (z.B. Inflationsexplosion/Katastrophenhausse bei Sachwerten) ein adäquates Tauschmittel sein oder gibt es aufgrund des extremen Preisanstiegs dann nicht mehr genug Güter zum Tausch als adäquaten Gegenwert (übertrieben: 1 Brot für 1 kg Gold)?

Prinzipiell besteht natürlich die Möglichkeit, dass man Goldwerte in andere Güter tauscht. Doch die Gefahr liegt darin, dass dies alle zum selben Zeitpunkt tun möchten, was zu einem sehr starken Preisverfall führt. Das heißt, dass Gold kein echtes Tauschmittel sein kann.

Wurde der Goldpreis durch effektive Käufe nach oben getrieben oder war es eine Spekulation auf den Terminmärkten?

Hier müssen wir unterscheiden, zwischen Gold, das physisch erworben wurde und Gold, das auf den Terminmärkten gehandelt wird. Sollten die nicht physischen Anteile gedeckt werden müssen, könnte dies schwierig werden. Wenn sich die Forderungen hierfür zeitlich überlagern, könnte es die Preisentwicklung nach oben treiben.

Anleger kaufen Gold direkt als Barren oder Münzen, aber auch über Zertifikate und Fonds. Welcher Goldanteil ist empfehlenswert?

Das kommt ganz auf das Vermögen an. Kleinanlegern ist in jedem Fall die Investition in Barren oder Münzen zu empfehlen, also die physische Anlage. Sehr vermögende Personen können auch in nicht physische Produkte investieren. Diese sollten aber in jedem Fall gedeckt sein.

Alle physischen Goldbestände sollten einen Würfel von 20 Metern Kantenlänge ergeben, passen somit in den unteren Teil des Eiffelturms. Genügt diese Menge wirklich? Kann man realistisch davon ausgehen, dass alle Ansprüche, die auf Gold aufgebaut wurden (z.B. über Fonds, Zertifikate) zu befriedigen sind oder müssen die Goldenthusiasten damit rechnen, dass ihre Ansprüche gar nicht befriedigt werden können und sie damit aufs falsche Pferd gesetzt haben?

Wie vorhin gesagt, besteht die Gefahr in den nicht physisch hinterlegten Produkten. Die sehr starken Schwankungen im Goldpreis der letzten Monate sind vermutlich darauf zurückzuführen, dass an den Terminmärkten verstärkt Transaktionen stattfanden.

Jim Rogers, Rohstoffexperte, prognostiziert den Goldpreis 2020 bei 2.000 $. Wo sehen Sie den Goldpreis, wenn die EU ankündigen würde, dass sie entsprechend den Forderungen von US Finanzminister Geithner den Euro-Rettungsschirm mit dem doppelten Volumen ausstattet. Und warum?

Bis 2020 ist eine lange Zeitspanne. Doch Rogers Prognose erscheint mir relativ gemäßigt. Andere Prognosen sagen, dass der Goldpreis kurzfristig auf 10.000 $ steigt. Auch dies scheint mir mehr als unwahrscheinlich. Meiner Meinung nach bleibt es bei einer künstlichen Blase, die früher oder später zum Platzen kommt.

Geld – Gold – ein sorgenfreies Leben? Was macht jemand sinnvollerweise mit Gold? In den Safe legen?

Wenn man noch Vertrauen zu seiner Bank hat, sollte man in jedem Fall dort sein Geld und auch sein Gold verwahren. In den Safe sollte man, wenn überhaupt, nur einen kleinen Teil legen. Sollte es zum Crash kommen, dann wird es auch soziale Unruhen geben. Und in diesem Fall ist es sicher nicht gut, zuhause sein Vermögen zu verwahren und gegebenenfalls verteidigen zu müssen.

Gold wurde in der Vergangenheit konfisziert, Goldbesitz wurde verboten – können Sie sich vorstellen, dass das wieder passiert? Wenn ja, was könnte der Auslöser sein?

Das halte ich für sehr unwahrscheinlich, da die Situation in der Welt heute eine ganz andere ist. Natürlich kann es zu Einschränkungen kommen, doch wird dies nicht die Ausmaße annehmen wie 1813 als Preußen gegen Napoleon Krieg führen wollte und dafür das Gold brauchte („Gold gab ich für Eisen“).

Welche Maßnahmen können EU wie Eurogemeinschaft ergreifen, um endgültig Beruhigung in die Märkte zu bekommen?

Die Maßnahmenkataloge sind derzeit ja alle umstritten. Doch wenn von der Insolvenz der Staaten die Rede ist, ist die Frage, was tatsächlich zu tun ist. Geht es um den Ausschluss aus der Währungsunion? Meiner Meinung nach ist es politisch so zu regeln, dass die Währungsunion zumindest im Kern erhalten bleibt.

Was würden Sie unseren Lesern noch gerne mitteilen, was wir möglicherweise noch nicht abgefragt haben?

Es ist absurd, dass die Zentralbanken das Gold tonnenweise horten, vor allen Dingen, wenn dies in Ländern wie Griechenland passiert. Es ist absurd, dass die Menschen dem Gold mehr vertrauen als den klassischen Anlageformen. Sie glauben damit, dass das, was glänzt, etwas wert ist. Doch dies ist ein Irrglaube. Wer wirklich Angst vor der Krise hat, sollte im Keller Dinge lagern, die handelbar sind. Z.B. Lebensmittel oder andere Alltagsnotwendigkeiten. Doch ich persönlich glaube auch nicht daran, dass dieses Szenario eintritt.

Hintergrund Eberhard Buschmann
1976-1982 Studium der Rechtswissenschaften in Würzburg; 1982 Erstes Juristisches Staatsexamen; 1985 Zweites Juristisches Staatsexamen; 1985-1991 Abteilungsleiter Aktien, Wertpapierspezialfonds Bayern Versicherung München; 1991-1996 Leiter der Vermögensverwaltung der Vereinten Versicherungsgruppe, München; 1996-2006 Sprecher des Vorstands des Vermögensverwalters Wilhelm von Finck AG, München; 2006-01/2009 Geschäftsführer der Henkel Family Office (HFO) GmbH, Düsseldorf; derzeit Berater diverser Family Offices.