SOS-Kinderdorf-Stiftung
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Diversifikation, Selektion und Rekapitulation

Auswirkungen der Coronakrise

Für viele Stiftungen haben die Coronakrise und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft ein Problem verschärft, mit dem sie seit Jahren zu kämpfen haben: Wie soll man trotz niedriger Zinsen Erträge erwirtschaften, um eigene Projekte zu finanzieren und Förderzusagen gegenüber Dritten einzuhalten? Für Axel Döhner, Botschafter der SOS-Kinderdorf-Stiftung, ist die Antwort klar: „Der Schlüssel ist die Diversifikation – in Werte wie Gold, Aktien und auch Immobilien.“

Der Leiter der Pictet-Niederlassung in Stuttgart ist auch in den vergangen Woche im Home Office stets im Kontakt mit Kunden und Kollegen geblieben, und sieht in derBewältigung der aktuellen Krise Chancen und Gefahren zugleich. „Stiftungen sollten sich dessen bewusst sein, dass auf der Zinsseite wenig zu erwarten ist. Wir gehen nicht von einer Inflation aus, und die Europäische Zentralbank  wird die Zinsen niedrig lassen - man sollte seine Strategie nicht gegen die EZB ausrichten,“ so Döhner. Daher rät er dazu, sein Portfolio vor allem nach qualitativen Aspekten zusammen zu stellen. Diese Qualität kann sich dabei in vielen Aspekten zeigen, etwa in der Preissetzungsmacht eines Unternehmens, in der Bilanzqualität, der Innovationsführerschaft oder der Kommunikation mit Stakeholdern.

Auch die SOS-Kinderdorf-Stiftung rät in ihrem aktuellen White Paper zur Diversifikation und zum Mut, in Aktien zu investieren. Die Autoren rund um Geschäftsführerin Petra Träg stellen in „Niedrigzins, Mythen der Mündelsicherheit und Mut zur Veränderung“ dar, wie Stiftungen neue Wege gehen müssen, um unter den aktuellen Rahmenbedingungen Erträge zu erwirtschaften. Für den Anlageexperten Döhner ist vor allem die Selektion in Branchen und Industrien entscheidend. Dabei kann es natürlich passieren, dass ein Wert einbricht – dies wird durch eine gute Selektion aber abgefangen. „Panik ist der schlechteste Ratgeber,“ warnt Döhner und empfiehlt Gelassenheit bei der Betrachtung von Tageskursen. 

Döhner zufolge ist eine weitere Folge der Krise von grundlegender Bedeutung: Der in den letzten Jahren alles bestimmende Megatrend der Globalisierung ist durch die Coronakrise eingebremst worden. Es sei nun offensichtlich, dass Globalisierung und Lokalisierung miteinander in Einklang gebracht werden, Lieferketten neu gedacht werden müssen.  Denn schließlich seien durch Corona nicht nur einzelne Branchen wie Tourismus oder Gastronomie schwer getroffen, auch ganze Geschäftsmodelle seien durch die Krise in Frage gestellt: „Wie kann es denn sein, dass viele Unternehmen schon nach ein oder zwei Monaten kein Kapital mehr haben?“ bilanziert der Botschafter der SOS-Kinderdorf-Stiftung.

Mit Blick auf die Zukunft ist für den SOS-Kinderdorf-Botschafter entscheidend, wie schnell sich die Wirtschaft im Jahr 2021 erholen wird. Nachdem noch nicht klar sei, ob die Wirtschaft in diesem Jahr um 5, 10 oder gar 15 Prozent schrumpfen werde, könne man auch noch nicht verlässlich sagen, wie schnell sich die Werte der Unternehmen und der Wirtschaft rund um den Globus im nächsten Jahr erholen werden. Doch dies sei kein Grund für Pessimismus: „Eine solche Krise hat eben auch etwas Positives: Der spürbare Einschnitt tut weh, und lässt uns ernsthaft über die Zukunft und unsere Prioritäten nachdenken,“ resümiert Döhner.

© gwmullis / iStock