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Professor Dr. Gerald Mann: Pro Gold

  

Prof. Dr. Mann

Hintergrund Prof. Dr. Gerald Mann 

Für Prof. Dr. Mann gehören Edelmetalle zur Kapitalanlage dazu. Zwar könne es auch bei diesen zu Rückschlägen kommen, doch mittel- und langfristig würden Gold oder Silber Papiergeld schlagen. Eine verantwortungsvolle Vorgehensweise sieht er zudem in der Anlage eines Lebensmittelvorrats. Wenn es sehr wenig Brot gibt, wird der Preis dafür auch in Unzen Gold sehr hoch steigen. Gleichwohl stehe man dann mit Edelmetallen besser da als mit einer Papiergeld-Kapitallebensversicherung. Prof. Dr. Mann zieht Silber dem Gold vor. Derzeit sollte reines Edelmetall zwischen 10 und 20 Prozent des nicht in Immobilien gebundenen Vermögens liegen. Dazu könnten Investments in Minenaktien kommen.

 

Ist Gold in dieser Situation die einzig wahre Kapitalanlage? Stichwort Diversifizierung: Gilt das noch?

Die einzig wahre Kapitalanlage gibt es nicht. Diversifizierung ist immer richtig, weil das zu einer optimaleren Chance-Risiko-Relation des Portfolios führt. Gegenwärtig gilt zudem: Sachwert sticht Geldwert. Denn unser vom Staat verordnetes Papiergeld hat keinen inneren Wert. Stabiles Papiergeld kann es dauerhaft nur bei soliden Staatsfinanzen geben. Das Vertrauen schwindet schon jetzt, siehe die steigenden Edelmetallpreise. Insofern gehören Edelmetalle zur Kapitalanlage dazu, auch wenn sie aus sich heraus keine Erträge abwerfen.

Welche Risiken hat man, wenn man in Edelmetalle wie Gold und Silber investiert?

Bei physischer Aufbewahrung zu Hause: Diebstahl. Bei „Papiergold“ (ETFs, Zertifikate etc.) ggf. das Emittentenrisiko. Generell: Schwankungen des nominalen Wertes wie auch bei Rohstoffen. Eine völlige Wertlosigkeit wie bei anderen Anlageformen kann aber aufgrund der Menschheitserfahrung ausgeschlossen werden. Ein wichtiges Risiko ist das staatliche Handeln. Jede Investition in Gold ist ein Misstrauensvotum gegenüber Politik, Notenbanken und Finanzsystem. Deswegen halte ich früher oder später staatliche Eingriffe für wahrscheinlich – von speziellen Steuern, Vermögensabgaben bis hin zu einem (teilweisen) Verbot des Erwerbs oder Besitzes von Edelmetallen (insbesondere Gold).

Und umgekehrt, welche Chancen?

Die Chance besteht darin, dass bei steigenden Inflationserwartungen und später auch steigenden Inflationsraten der Anteil der Menschen, die in Edelmetallen einen Schutz vor Inflation erkennen, ebenfalls deutlich ansteigt. Dadurch werden Edelmetalle relativ knapper und gewinnen an Wert.

Die US-Geldmenge hat sich seit 2008 verdreifacht. Der Goldkurs hat sich in $ seitdem nur verdoppelt. War die Entwicklung bisher nicht immer parallel? Haben wir – trotz des Anstiegs – noch eine Unterbewertung des Goldes?

Verdreifacht hat sich die direkt von der US-Notenbank ausgegebene Geldmenge, was sich an ihrer Bilanz ablesen lässt. Die sinkende Umlaufgeschwindigkeit des Geldes dämpft aber den in der offiziellen Statistik ablesbaren Preisniveauanstieg. Außerdem darf die enorme, über Jahrzehnte angestaute Inflation nicht übersehen werden, zu der auch die Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken beigetragen hat.

Im Januar 1980 (letzter Goldhöchststand) lag der Goldpreis bei 850 $, inflationsbereinigt müsste er heute bei 2.330 $ stehen (US Arbeitsministerium). Warum liegt er darunter? Sind die Inflationsentwicklung und die Erwartung für die Goldpreisentwicklung überhaupt relevant, vor allem vor dem Hintergrund, dass in den letzten 10 Jahren die Inflationsraten deutlich niedriger lagen als in den Dekaden davor?

Wir haben eine enorm angestaute Inflation. Die Geldmenge ist in den letzten Jahrzehnten, ganz besonders aber im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, wesentlich schneller gewachsen als die wirtschaftliche Leistung. In der Inflationsrate, die mit dem Warenkorb vom Statistischen Bundesamt gemessen wird, werden wir das erst richtig merken, wenn relativ viele Menschen ihr Geld lieber in Konservendosen „anlegen“, als es auf dem Konto liegen zu lassen.

Dass die Inflationsraten im letzten Jahrzehnt deutlich niedriger waren als im Schnitt der 50 Jahre davor, ist eine Art Ruhe vor dem Sturm. Das hat mit einer paradoxen Situation zu tun. Das Überangebot an Geld hat zu niedrigeren Zinsen und damit zu Überinvestitionen geführt und dadurch zu einem scharfen Preiswettbewerb. Letzterer wird durch die Globalisierung noch verstärkt.

Was passiert, wenn die spekulativen Elemente aufgrund der Eurobesorgnis mit dem Goldpreis relativieren? Wo ist sein innerer Wert? Wird die Spekulationsblase zu einem Vermögensverlust ersten Ranges?

Wie jedes andere Gut hat auch Gold keinen festen inneren Wert. Der Wert eines jeden Gutes richtet sich nach der subjektiven Wertschätzung, die man ihm entgegenbringt. Es kann beim Goldpreis durchaus zu deutlichen Rückschlägen kommen, aber mittel- und langfristig werden Gold oder Silber Papiergeld schlagen.

Was passiert durch die globalen Wirtschaftsverknüpfungen in den Volkswirtschaften des nicht Euroraums (China, USA, Emerging Markets, Nichteuroländer in Europa), wenn Gold plötzlich als Währungsersatz (Substitut) für den Euro fungieren muss? Welche Auswirkungen hat der Goldpreis für diese Länder? Finden sie ein neues Gleichgewicht untereinander, z.B. über Devisenkurs / Zins, oder ergeben sich auch für diese Länder Effekte, die heute noch nicht näher diskutiert werden?

Ich rechne für Europa nicht mit der Einführung eines Goldstandards. Eher schon mit einer Teilgolddeckung für einen neuen US-Dollar. Ein solcher Schritt würde Gold erst einmal zusätzlich verknappen, den Preis steigen lassen. Das würde übrigens auch Silber verknappen, denn einige schwächere Länder würden vermutlich dann mit dem „Gold des kleinen Mannes“ versuchen, ihre Währung zumindest an Silber zu binden.

Den Goldstandard kann man nicht mehr darstellen, weil die Wirtschaft dann nicht mehr wachsen würde. Papiergeld traut man auch nicht mehr. Was kommt danach?

Dass die Wirtschaft bei einem Goldstandard nicht wachsen könnte, stimmt so nicht, siehe die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg mit einem internationalen Goldstandard. Richtig ist, dass Goldbindung zu tendenziell höheren Realzinsen und damit zu einem stetigeren Wachstum führt, in dem Überinvestitionen unwahrscheinlicher sind. Das sehe ich aber als Vorteil.

Nach einer massiven Entwertung des bestehenden Papiergeldes wird nach einem Ausweg gesucht werden. Für Europa rechne ich nicht mit einem neuen Goldstandard. Aber vielleicht versucht man ein neues Geld dann erst einmal an Grund und Boden zu binden, wie man es nach der Hyperinflation 1923 getan hat („Rentenmark“).

Gold wird auch in der Industrie gebraucht. Das Vorkommen ist begrenzt. Dazu kommt die Nachfrage seitens der Anleger. Wird der Goldpreis auch schon aufgrund der Industrienachfrage in den nächsten Jahren weiter steigen, unabhängig von der Entwicklung der Geldmenge/Inflation?

Im Vergleich zu Silber ist die Industrienachfrage nach Gold im Verhältnis zur Fördermenge gering. Da ich für die nächsten Jahre skeptisch bin, was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, halte ich eine signifikante industriegetriebene Nachfragesteigerung nach Gold für unwahrscheinlich. Technologische Neuerungen können jedoch immer für eine Überraschung sorgen.

Es gibt auch die Behauptung, Gold ist gar nicht gestiegen: Früher konnten sich die Römer mit 1 Unze Gold eine schicke Tunika kaufen und heute kriegt man für 1 Unze einen schicken Anzug, was zeigen würde, dass Gold nicht an Wert gewonnen hätte. Wie stehen Sie dazu?

Genau das ist meine Argumentation. Man kann es so formulieren: Derzeit steigt nicht der Goldpreis, sondern der Wert des Papiergeldes sinkt.

Kann Gold in schweren Krisenzeiten (z.B. Inflationsexplosion/Katastrophenhausse bei Sachwerten) ein adäquates Tauschmittel sein oder gibt es aufgrund des extremen Preisanstiegs dann nicht mehr genug Güter zum Tausch als adäquaten Gegenwert (übertrieben: 1 Brot für 1 kg Gold)?

Für Notzeiten vorzusorgen, ist seit Menschengedenken eine weise Tugend. Es ist meines Erachtens unrealistisch zu glauben, dass die komplexen Logistiksysteme, die für volle Regale beim Discounter sorgen, immer funktionieren werden. Deswegen ist die Anlage eines Lebensmittelvorrats eine verantwortungsvolle Vorgehensweise. Am besten sollte man damit beginnen, bevor diese Erkenntnis Allgemeingut wird. Denn Ihre Frage ist völlig berechtigt. Wenn es sehr wenig Brot gibt, wird der Preis dafür auch in Unzen Gold sehr hoch steigen. Und dann ist natürlich ein Lebensmittelvorrat Gold wert. Gleichwohl stehen Sie dann mit Edelmetallen immer noch besser da als mit einer Papiergeld-Kapitallebensversicherung. Also, das eine tun und das andere nicht lassen.

Wie viel Gold ist in den letzten 2 Jahren physisch gekauft worden und wie viel über die Terminmärkte? Kann man davon ableiten, wie nachhaltig der Goldpreisanstieg ist oder ob die Blase in sich zusammenbricht – wenn sich die kurzfristigen Anleger wieder mit Gewinn verabschieden? Wo liegt Ihrer Meinung nach der faire Wert?

Ich habe es weithin aufgegeben, mich in dieser Form damit zu beschäftigen, weil die Terminmärkte durch die Möglichkeit der Regeländerung (z.B. Margin-Erhöhung) sehr leicht beeinflusst werden können. Einen fairen Wert von Gold kann ich Ihnen nicht nennen. Für mich ist der Preis fair, der sich auf einem freien Markt ohne Manipulation, staatliche Eingriffe und Marktmacht ergibt. Auf jeden Fall werden die nächsten Jahre für Gold und Silber sehr volatile Entwicklungen zeigen.

Anleger kaufen Gold direkt als Barren oder Münzen, aber auch über Zertifikate und Fonds. Welcher Goldanteil ist empfehlenswert?

Ich ziehe Silber vor. Grundsätzlich denke ich, dass in der derzeitigen Lage der reine Edelmetallanteil irgendwo zwischen 10 und 20 Prozent des nicht in Immobilien gebundenen Vermögens von Privatpersonen liegen sollte. Hinzu können dann Investments in Minenaktien kommen. Bei Zertifikaten ist auf das Emittentenrisiko zu achten. Nach dem Abbau der die Weltwirtschaft belastenden Schuldentürme (durch Inflation oder Schuldenschnitte oder Vermögensabgaben etc.) sollten Anleger ihre Edelmetallpositionen wieder deutlich reduzieren, denn dann wird der grundlegende Nachteil von Edelmetallen, nämlich ihre Ertragslosigkeit, wieder relevant.

Alle physischen Goldbestände sollten einen Würfel von 20 Metern Kantenlänge ergeben, passen somit in den unteren Teil des Eiffelturms. Genügt diese Menge wirklich? Kann man realistisch davon ausgehen, dass alle Ansprüche, die auf Gold aufgebaut wurden (z.B. über Fonds, Zertifikate) zu befriedigen sind oder müssen die Goldenthusiasten damit rechnen, dass ihre Ansprüche gar nicht befriedigt werden können und sie damit aufs falsche Pferd gesetzt haben?

Sollte ein großer Finanzcrash kommen, sind „Papiergold“-Forderungen wahrscheinlich zu einem hohen Anteil schwer oder gar nicht durchsetzbar (siehe auch Emittentenrisiko oder Staatseingriffe oben). Deswegen erscheinen mir diese Anlageformen mittel- und langfristig nicht attraktiv.

Jim Rogers, Rohstoffexperte, prognostiziert den Goldpreis 2020 bei 2.000 $. Wo sehen Sie den Goldpreis, wenn die EU ankündigen würde, dass sie entsprechend den Forderungen von US Finanzminister Geithner den Euro-Rettungsschirm mit dem doppelten Volumen ausstattet. Und warum?

Nach meiner Einschätzung werden wir die 2.000 $ vor dem Jahr 2020 sehen, sofern ein halbwegs freier Handel erhalten bleibt.

Wie viel Prozent der physischen Goldvorräte liegen bei den Notenbanken bzw. Institutionen wie IWF und wie viel Prozent horten Privatanleger über Direktanlagen?

Über die Jahre ist der Anteil von Gold, das bei Notenbanken, IWF etc. liegt, auf deutlich unter 20 % gesunken. Mittlerweile mehren sich aber die Nachrichten über Goldkäufe durch Notenbanken, insbesondere in Schwellenländern. Etwas mehr halten private Investoren direkt oder indirekt. Und ca. 60 % sind in Schmuck und Kunstgegenständen verarbeitet. Im Unterschied zu Silber, das teilweise „verbraucht“ wird, ist fast das gesamte bisher in der Menschheitsgeschichte geförderte Gold noch verfügbar.

Geld – Gold – ein sorgenfreies Leben? Was macht jemand sinnvollerweise mit Gold? In den Safe legen?

Vermögende Leute leben gerade in den gegenwärtigen Zeiten nur bedingt sorgenfrei, vielleicht nicht einmal sorgenfreier als viele Vermögenslose. Denn auch Gold im Safe kann bei einer staatlichen Enteignungsaktion (teilweise) weg sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass kaum jemand ungeschoren durch die nächsten Jahre kommen wird. Denn der Staat wird – in welcher Form auch immer – auch diejenigen heranziehen, die in Immobilien, Edelmetalle, Aktien, Fremdwährungsanleihen etc. geflohen sind.

Vor diesem Hintergund sollten Menschen mit Vermögen einmal auf eine alte biblische Weisheit hören: Im Matthäus-Evangelium heißt es im 6. Kapitel, Verse 19-21:

„Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ 
Zusätzlich zu Motten und Rost könnte man Inflation und höhere Steuern ergänzen. Also, man kann seelisch freier und unbelasteter leben, wenn man (Teile seines) Vermögen(s) schon zu Lebzeiten auch guten Zwecken, der Hilfe für andere Menschen, zukommen lässt. Das wichtigste, übrigens inflationsgeschützte Investment ist die eigene Ausbildung oder die der Kinder und Enkel.

Gold wurde in der Vergangenheit konfisziert, Goldbesitz wurde verboten – können Sie sich vorstellen, dass das wieder passiert? Wenn ja, was könnte der Auslöser sein?

Ja sicher kann das wieder passieren. Jeder Erwerb von Gold ist ein Misstrauensvotum gegenüber dem Staat, der Notenbank und dem Finanzsystem. Dieses Gesamtsystem wird sich wehren, wenn immer mehr Menschen in Gold fliehen. Dann kann z.B. der Erwerb von Gold stärker besteuert oder zumindest teilweise verboten werden. Letzteres ist selbst in den USA schon ab den 30er Jahren passiert. Auslöser könnte ein rasch ansteigender Goldpreis sein.

Welche Maßnahmen können EU wie Eurogemeinschaft ergreifen, um endgültig Beruhigung in die Märkte zu bekommen?

Erstens: Einen Schuldenschnitt für überschuldete Länder zulassen. Zweitens: Die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern mit chronischem Außenhandelsdefizit wieder herstellen. Dafür gibt es zwei Wege: Entweder kehren die schwächeren Länder zu ihren ursprünglichen Währungen zurück oder bilden einen gemeinsamen „Süd“-Währungsblock. Am einfachsten wäre, wenn die stärkeren Länder wie Deutschland, Niederlande, Finnland und Österreich aus der Eurozone austräten und einen eigenen Währungsblock bildeten; dieser „Nord“-Euro würde dann aufwerten. Zugangskriterium für diesen Club könnte der positive Renditeabstand von zehnjährigen Staatsanleihen zu deutschen Bundesanleihen sein. Er dürfte z.B. bei max. 0,5 % liegen und die Kurse dürften nicht durch Anleihekäufe der EZB manipuliert sein.

Ich glaube jedoch, dass es dazu nicht kommen wird. Stattdessen wird der Weg in eine faktische und bald vielleicht auch offizielle Transfer- und/oder Fiskalunion weiterbeschritten. D.h. zu dem Geld, das Deutschland als Überschuss-Volkswirtschaft schon Anfang 2010 verloren hatte, weil seine Schuldner nicht mehr zahlungsfähig waren, wird weiteres dazukommen. Die Überschussvolkswirtschaften haben damit faktisch Lebensleistung verschenkt und jetzt wird dies mit Hilfe von Staatsgarantien fortgesetzt.

Was würden Sie unseren Lesern noch gerne mitteilen, was wir möglicherweise noch nicht abgefragt haben?

Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr (Seneca).