Familienstärkung in Honduras und Bolivien

Viele Familien in Lateinamerika leben in Armut. In Bolivien sind 39 Prozent der Bevölkerung von Armut betroffen. Die Bevölkerung von Honduras ist extrem jung, das Durchschnittsalter liegt bei nur 24 Jahren. Fast die Hälfte der Menschen lebt in bitterer Armut, vor allem außerhalb der Städte ist die Not groß. Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen ist so gut wie nicht vorhanden. Die Inflationsrate ist in vielen Ländern ebenfalls sehr hoch.
Die SOS-Familienstärkungsprogramme sind gut in den Gemeinden integriert. Mit berufsbildenden Maßnahmen hilft SOS-Kinderdorf bedürftigen Familien und deren Kindern, sie unterstützen bei materiellen Problemen, ermöglichen Zugang zu Bildungsmaßnahmen und medizinischer Versorgung.

Gesundheit, Kinderrechte und Umweltschutz 

Mit den Beratungs- und Schulungsmaßnahmen wird Eltern geholfen, bestmöglich für sich und ihre Familie zu sorgen. Sie lernen, sich selbstständig um Betreuung und Schutz ihrer Kinder zu kümmern. Workshops und Kampagnen sensibilisieren Familien und Gemeinden für Themen wie Gesundheit, Kinderrechte und Umweltschutz.
Die SOS-Familienstärkung umfasst vielseitige Hilfs-, Beratungs- und Bildungsangebote, die sich an Kinder und ihre Familien in Not richten. Ihr Ziel ist es, Familien zu ermöglichen, ihre Zukunft selbst zu meistern.
Das SOS-Familienstärkungsprogramm setzt da an, wo es die größte Wirkung entfalten kann: bei den gefährdeten Familien und den Gemeinden, in denen sie leben. SOS-Kinderdorf strebt an, eine Familie durchschnittlich zwei bis fünf Jahre zu begleiten und danach in die Selbstständigkeit zu entlassen. Mit jeder Familie wird ein individueller Zeitrahmen entwickelt und dieser regelmäßig überprüft.

Ein Beispiel aus Bolivien

Wer mit Noemy aus Bolivien spricht, könnte glauben, der Tag hätte für sie mehr als 24 Stunden. Denn die 31-Jährige ist nicht nur Mutter von drei Kindern, sie führt auch noch ein kleines Geschäft und macht zusätzlich eine Ausbildung. Bis vor wenigen Jahren lebte Noemy mit den Kindern bei ihrem Vater, doch der tyrannisierte die Familie Tag für Tag. Ausziehen konnte Noemy nicht, da sie keinen Schulabschluss hatte. „Ich war so frustriert und empfand sogar meine Kinder als Bürde“, erzählt sie heute.
Dann erfuhr sie vom SOS-Familienstärkungsprogramm. Mithilfe des Programms erkämpfte Noemy sich ein neues Leben: Sie holte ihren Schulabschluss nach, zog bei ihrem Vater aus und lernte zudem, mit ihren Kindern besser umzugehen. „Ich verstehe jetzt, dass meine Kinder mein Schatz sind“, fasst Noemy die tiefgreifende Veränderung in ihrem Familienleben zusammen.
Dann lernte sie ihren heutigen Ehemann kennen. Die beiden bekamen noch ein Kind, und Noemy begann, gefüllte Teigtaschen zu verkaufen. Das Geschäft konnte sie sich mit der Hilfe von SOS-Kinderdorf aufbauen, doch Noemy hat noch einen weiteren Traum: Sie möchte Erzieherin werden. Die Ausbildung macht sie abends, wenn die Teigtaschen verkauft sind und die Kinder schlagen.