Verantwortung wahrnehmen. Digitalisierung gestalten!

Nürnberg, 16. Mai 2018

Stiftungen und Digitalisierung – unter diesem Vorzeichen fand Mitte Mai der Deutsche StiftungsTag 2018 statt. Petra Träg aus unserer Geschäftsführung moderierte die spannende Expertendiskussion zum Thema „Digitalisierung der Gesellschaft – Fluch und Segen der (In-)Transparenz". Wir geben hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Statements wider.
Prof. Dr. h.c. Hermann Schoenauer, ehemals Rektor und Vorstandsvorsitzender der Diakonie Neuendettelsau, bezeichnete in seinem Impulsvortrag Stiftungen als die nachhaltigste Form der Hilfe, weil sie praktisch immer bestehen würden. Er umriss verschiedene Herausforderungen, die dann in der Podiumsdiskussion aufgenommen wurden und rief dazu auf, sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft zu beschäftigen. 
Christoph Michel, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter Stiftungsführer / Michael Stich GmbH, berichtete in seinem Überblick unter anderem von einer Stiftung, die die Digitalisierung für die Bewältigung der Kommunikation rund um eine prominente Preisverleihung managt. Er nannte eine zweite Stiftung, der es über soziale Medien gelingt, authentische Geschichten ihres Wirkens zu erzählen und so den Kontakt zu ihren Spendern zu halten. Dennoch bedarf es nach seinen Worten stets auch einer Pflege der Kontakte und der Organisation der Kommunikation.
Petra Träg, Geschäftsführerin der SOS-Kinderdorf-Stiftung, befragte zu Beginn der Podiumsdiskussion das Publikum nach Ihrer Meinung zur Digitalisierung:Geschätzte 90 Prozent der Gäste hoben auf die Frage hin die Hand, wer die Digitalisierung als Segen beschreiben würde. Dies stimmt auch mit einer von ihr zitierten Umfrage des Haufe-Verlags überein, nach der die überwiegende Zahl der Menschen der Digitalisierung überwiegend positiv gegenüber steht. Die erste Frage drehte sich dann um die Datenschutzgrund-
verordnung und die Folgen für Stiftungen. Dr. Ponath von der Kanzlei Beiten Burkhardt empfahl konkret eine aktuelle Überprüfung bzw. Erneuerung der Datenschutzrichtlinie auf den Homepages und ein Abstellen sowie Neuaufsetzen von Cookies. Auf Nachfrage stellte Dr. Ponath Optionen für den Fall potenzieller Ansprachen durch Abmahnanwälte vor. Man solle sich auf etwaige Drohungen bzw. Abmahnungen nicht einlassen, stattdessen lieber die Datenschutzbestimmungen und – Prozesse erneuern und es im Zweifelsfall auf eine Klage ankommen lassen. 
Prof. Schoenauer antwortete auf die Frage, ob neue Geschäftsmodelle, wie z.B. Crowdfunding, eine Gefahr für auf Spenden und Zustiftungen angewiesene Stiftungen seien. Er betonte, dass der dritte Sektor maßgeblich von der Pflege der Beziehungskultur zwischen Spendenempfängern und Spendern lebt. Dies stellt einen Vorteil für die Stiftungen dar, den digitale Plattformen nicht leisten können.  Dr. Thomas Rüschen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Oppenheim Family Office AG, vertrat den erkrankten Vorstandskollegen Dr. Jörn Häuser. Digitalisierung sei Chefsache, kommentierte Frau Träg das Einspringen Dr. Rüschens und fragte nach seiner Perspektive. Dr. Rüschen erwähnte, dass für Robo-Vermögensverwaltungen noch keine belastbaren Ergebnisse vorliegen und berichtete von der hausinternen Diskussion um Blockchaintechnologie und Bitcoins. Er empfahl den Stiftungen, zunächst noch nicht in diese Währung zu investieren und die weitere Entwicklung abzuwarten. 
Angesprochen auf das Thema Transparenz entfachte sich eine leidenschaftliche Debatte. Dr. Gerrit Ponath, Fachanwalt für Erbrecht und Steuerrecht sowie Partner und Co-Head der Praxisgruppe Stiftungen Beiten Burkhardt Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, vertrat die Meinung, das Forderungen nach Transparenz für viele Stiftungen zurückzuweisen seien. Für gemeinnützige Stiftungen wiederum sei ein gewisses Maß an Transparenz zu erwarten – für diese Stiftungen sei das Hervorheben der Gemeinnützigkeit unerläßlich. Lediglich für auf Zustiftungen und Spenden angewiesene Stiftungen sei ein hohes Maß an Transparenz unerlässlich. Die gilt auch für etwaige Effizienz-Ratings. 
Prof. Schoenauer forderte die Herausbildung einer Ethik der Digitalisierung zum Schutz der Würde des Menschen.