Frühe Hilfe bei Essstörungen

Immer mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind von Essstörungen betroffen. Laut aktuellen Zahlen weisen rund 20 Prozent der 11- bis 17-Jährigen Anzeichen eines gestörten Essverhaltens auf. Hinter den Symptomen stehen häufig Selbstzweifel, Leistungsdruck, Ängste oder belastende Lebenssituationen. Gleichzeitig erschweren Scham und Schuldgefühle vielen Betroffenen den Schritt, sich Hilfe zu suchen. Dabei gilt gerade bei Essstörungen: Je früher das geschieht, desto größer sind die Chancen, einer Erkrankung vorzubeugen oder Wege aus ihr zu finden.
Mit der Beratungsstelle „Schneewittchen“ bietet das SOS-Kinderdorf Augsburg jungen Menschen deshalb einen unkomplizierten Zugang zu professioneller Unterstützung. Eine Überweisung oder Krankenversichertenkarte braucht es dafür ebenso wenig wie lange Wartezeiten; auf Wunsch bleibt die Beratung auch anonym. Fachkräfte begleiten Betroffene und ihre Angehörigen persönlich, telefonisch oder online – und bieten neben Einzelgesprächen auch Gruppenangebote an. Wie individuell auf die jungen Menschen eingegangen wird, zeigt das Beispiel einer Klientin: Gemeinsam mit ihrer Beraterin begann sie, jeden Tag eine positive Erfahrung auf einem Zettel festzuhalten und in einem Glas zu sammeln. Diese kleine Übung half ihr, wenig selbstkritisch zu sein, den Blick stärker auf die eigenen Fähigkeiten zu richten – und schon nach dem ersten Gespräch wieder Hoffnung zu schöpfen.
Ebenso wichtig wie die Beratung bereits Betroffener ist der Baustein Prävention. In Schulen, an der Universität und in Jugendtreffs informiert das Team über Ursachen, Merkmale und Folgen von Essstörungen, praktische Übungen und Gespräche inklusive. Rund 370 Menschen erreicht „Schneewittchen“ jedes Jahr über die Beratungsstelle, weitere 800 bis 1.000 junge Menschen über die Präventionsangebote. Die Förderung durch die SOS-Kinderdorf-Stiftung hilft dabei, diese frühe und fachkundige Begleitung verlässlich fortzuführen.